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Die Pflicht des Unterhaltsberechtigten zur Aufnahme einer Berufstätigkeit

Nach dem Scheitern einer Ehe haben in der Regel beide Partner nicht nur mit Emotionen und Sorgen, sondern auch mit Existenzängsten zu kämpfen. Für den Ehegatten, der während Ehe nicht gearbeitet hat, stellt sich dann die Frage: Wie sichere ich zukünftig meinen Lebensunterhalt und wann muss ich eine Berufstätigkeit (wieder) aufnehmen?

Das Gesetz unterscheidet zwischen dem Trennungsunterhalts- (bis zur Rechtskraft der Scheidung) und dem nachehelichen Unterhaltsanspruch (nach Rechtskraft der Scheidung). Grundsätzlich muss während des ersten Trennungsjahres keine Erwerbstätigkeit aufgenommen werden. Wenn z. B. bereits eine Teilzeittätigkeit ausgeübt wird, so muss diese während des Trennungsjahres in der Regel nicht ausgeweitet werden. Allerdings wird die Rechtsprechung zunehmend strenger und bejaht – wenn keine Kinder zu betreuen sind und die Ehe nur von kurzer Dauer war – eine Erwerbspflicht schon vor Ablauf des Trennungsjahres, zum Teil schon sechs Monate nach der Trennung.

Eine Erwerbspflicht, weder im Trennungsjahr, noch nach der Scheidung, besteht jedoch nicht, wenn ein Kind unter drei Jahren zu betreuen ist. Bei älteren oder mehreren Kindern kommt es auf die näheren Umstände an, insbesondere auf die Betreuungsmöglichkeiten. Bieten Kindergarten und Schule eine Nachmittagsbetreuung, so muss dieses Angebot in Anspruch genommen werden!

Spätestens nach Rechtskraft der Scheidung ist der geschiedene Ehegatte verpflichtet, eine Vollzeittätigkeit aufzunehmen, es sei denn, er wäre wegen Kinderbetreuung oder alters- beziehungsweise krankheitsbedingt nicht dazu in der Lage. Wenn mit Zustimmung des anderen Ehegatten noch während der Ehe eine (Erst-) Ausbildung begonnen wurde, darf diese auch nach der Scheidung fortgesetzt werden.

Ab dem Zeitpunkt, ab dem die Erwerbsobliegenheit greift, muss der Betreffende die Arbeit unverzüglich aufnehmen. Dies impliziert, dass man rechtzeitig ernsthafte Erwerbsbemühungen aktiviert. Unzureichende Bemühungen führen dazu, dass fiktive Einkünfte in Höhe des erzielbaren Einkommens in die Unterhaltsberechnung einfließen.

Im Übrigen ist die rechtzeitige Geltendmachung des Unterhaltsanspruches wichtig, da dieser für zurückliegende Zeiträume nicht geschuldet ist. Es ist deshalb ratsam, sich zur Klärung der Unterhaltsansprüche frühzeitig anwaltlich beraten zu lassen.